Rette Dich, wer kann!

Geschichten aus der Notaufnahme

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Ich lebe meine Ärzteserie und teile hier die besten Stars und Stories aus vielen Jahren Krankenhaus- und Notaufnahmetätigkeit mit Euch.
Ob ihr wollt oder nicht.

Notaufnahme zum Jahreswechsel

Montag, 9. Januar 2012

Alle Jahre wieder tummeln sich zum Jahreswechsel dieselben Herrschaften mit denselben Krankheiten in der Notaufnahme.
Vor Weihnachten: hypertensive Krisen (Last-Minute-Geschenkekauf? Kinder und Mann zu Hause da Ferien/Urlaub?)
An Weihnachten: Exazerbation chronischer Schmerzsyndrome (vorzugsweise bei alleinstehenden Patienten)
Zwischen Weihnachten und Silvester: ALLES von Haarausfall bis Fußpilz (da alle frei haben und die Hausärzte Urlaub haben)
An Silvester: Alkoholleichen (Spitzenreiter dieses Jahr: 87-jährige Dame aus dem Altenheim mit 3,7 Promille)und Handverletzungen
An Neujahr: Krampfanfälle, Hörstürze/Knalltrauma und Synkopen
Erste Jahreswoche: eigentlich ALLES, letztes Jahr gehäuft verletzte Sternsinger (ausgerutscht bei Glatteis, Tiefschneebedingungen in den Straßen)

Alle Jahre wieder...

Dienstag, 20. Dezember 2011

Weihnachten naht, alle Jahre wieder ist es im Krankenhaus dasselbe Theater. Da sind Patienten, die zähneknirschend aufgrund irgendwelcher Beschwerden in die Klinik kommen, aber die ganze Diagnostik (und Therapie) möglichst sofort und ambulant haben wollen. Wieder andere stimmen widerwillig einer Aufnahme zu, drängeln aber bei jeder Visite und sprechen jeden wahllos auf dem Flur an, wann denn endlich die Untersuchungen abgeschlossen sind und sie nach Hause können. In der Hinsicht "freue" ich mich schon wieder auf Freitag: der Tag des Arztbriefhorrors (Wo ist mein Arztbrief? Wieso dauert das so lange?). Dankbarkeit, weil man alle aufwändigen Untersuchungen für die man sonst Minimum 10 Tage braucht, dank Bestechungsmaßnahmen der zuständigen Herrschaften (Süßigkeiten ziehen eigentlich immer) in rekordverdächtigen 2 Tagen hinbekommen hat: Fehlanzeige. Und dann gibt es noch wie jedes Jahr die traurige Gruppe derer Patienten, die von der lieben Verwandtschaft (Skiurlaub geplant?) pünktlich zu Weihnachten einfach in die Klinik gebracht werden, ob sie wollen oder nicht. Meistens steht auf dem Einweisungsschein "AZ-Verschlechterung". Irgendwie traurig..

Blutspuren

Montag, 21. November 2011

Wir sind ja ein Krankenhaus, da kommt es schon mal vor, dass der Boden etwas mit menschlichen - nun ja nennen wir es - Partikeln besetzt ist. Aber erstaunlich häufig finden sich am Boden leckere Blutspuren, meistens in der Nähe von Ausgängen, vor allem aber am Notaufnahmeausgang. Das liegt wohl daran, dass die Kundschaft nicht warten kann, bis Herr oder Frau Doktor oder Schwester die Infusionsnadel entfernt. Nein, beim Nachhausegehen kommt es ja auf jede Sekunde an, da zieht man sich die Nadel eben schnell selbst. Leider vergessen die werten Herrschaften aber oft, dass es vielleicht angebracht wäre, ein bisschen auf die Einstichstelle zu drücken. Also bitte dran denken: Wo vorher Stich, da nachher Blut, ein bisschen drücken und alles gut!
*Jetzt reimt sie auch noch.*

QM - Quäl Mich

Sonntag, 20. November 2011

Es gibt ja so ein paar Jobs im Krankenhaus, die sind ziemlich unbeliebt. Das sind vor allem die Beauftragten-Jobs. Beauftragte gibt es für so ziemlich jeden noch so (un)wichtigen Teilbereich: Hygiene, Transfusionen, Geräte, Arbeitssicherheit und so. Meistens teilen sich diese äußerst beliebten Jobs die Herren und Damen Oberärzte. Hin und wieder ist es selbst denen zu blöd und dann muss einer der Altassistenten herhalten. Neulich schickte mich Frau Oberärztin zu einer Schulung. Nichts ahnend marschierte ich dorthin: es handelte sich um eine QM-Schulung. QM scheint ja zur Zeit überall sehr en vogue zu sein, nichts geht mehr ohne QM. Aber was ist das eigentlich QM? Das habe ich mich vor dieser Schulung auch gefragt..eigentlich frage ich mich das jetzt auch noch danach, denn "I understood only railstation" (Zitat von John Madison). Fünf Stunden ätzende Diskurse über Normen, Prozesse, Handbücher und Organigramme brachten mich zur Überzeugung QM steht für Quäl Mich. Am nächsten Tag grüßte mich Frau Oberärztin mit "Sie sind jetzt übrigens unsere QM-Beauftragte, herzlichen Glückwunsch!"
***Antwort der Autorin entsprach einer für den Leser unzumutbaren verbalen Entgleisung und wurde deshalb zensiert***

Die Dinge ändern sich

Samstag, 19. November 2011

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Das lag aber auch daran, dass die Intensivzeit nicht wirklich viel Stoff für diesen Blog hergab, sind es doch zumeist eher tragische Fälle, die sich dort ereignen. Außerdem war ich in letzter Zeit sehr beschäftigt mir kiloweise Fachbücher auswendig ins Hirn zu prügeln, um meine nicht vorhandene Karriere voran zu treiben. Und wie hat sich die viele Lernerei nicht bezahlt gemacht! Ich "durfte" wieder zurück auf Station und mache fast exakt dieselbe Arbeit wie damals, als ich frisch von der Uni kam. Super, oder? Na gut, immerhin hab ich jetzt mehr brutto vom netto...äh...mehr brutto und netto. Immerhin.

Ausflug auf Intensiv

Donnerstag, 7. April 2011

Wie bereits hier, hier und hier berichtet fühle ich mich nicht sonderlich wohl auf Normalstation. Da kommt mir ein Ausflug auf die Intensiv gerade recht. Weil einer der Docs dort für ein paar Wochen ausfällt wurde Ersatz gesucht. Ich habe mich freiwillig gemeldet und es wurde genehmigt. Juhu. Einige meiner lieben Kollegen atmeten erleichtert auf, denn die Intensiv ist nicht bei jedem beliebt. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Meine Intensivzeit liegt zwar schon ein wenig zurück, aber ich hoffe das ist wie Fahrradfahren - man verlernt es nicht. Ein bisschen nervös bin ich aber trotzdem. Mal sehen was es von dort zu berichten gibt.

Wartezimmer TV

Dienstag, 29. März 2011

Eine moderne Notaufnahme, vielleicht sogar eine moderne Arztpraxis, die etwas auf sich hält, bietet dem wartenden Publikum zum Zeitvertreib neben den abgegriffenen Zeitschriften echtes deutsches Fernsehen. Vielleicht sollte man aber ab und zu ein Augenmerk darauf haben, was dort genau angesehen wird. Gut meistens sind es ohnehin nur harmlose Sportübertragungen. Neulich aber lief da eine tolle Daily Soap - oder wie es heute heißt - Telenovela in der sich der gerade agierende Darsteller begleitet von dramatischer Musik mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Herz greift, röchelnd zusammenbricht und reglos liegenbleibt. Das alles während ich dem panischen Patienten E. versuche zu erklären, dass hinter seinem Schmerz im Bereich des Brustkorbs eben kein Herzinfarkt, sondern allenfalls Sodbrennen steckt. Super Timing und sehr überzeugend...